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Eastside Kings: Die unbekannten Könige des Texas-Blues

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Eastside Kings: Die unbekannten Könige des Texas-Blues

Mit den Eastside Kings verfolgt Eddie Stout, Inhaber von Dialtone Records, ein ungewöhnliches Konzept. Die Königstruppe versteht sich als Bewahrer des traditionellen Texas-Blues und agiert als Backing-Band für größtenteils unbekannte schwarze Musiker/innen, die bei der texanischen Plattenschmiede eine (zweite) Chance bekommen. Stouts Antrieb ist allein die große Blues-Leidenschaft. Mac McIntosh, Bobby Gilmore, James „Jabo“ Houston, Peewee Calvin, Soul Man Sam Evans, Ray Reed und Birdlegg heißen die sieben Musiker, die auf dem im vergangenen Jahr erschienenen Album mit dem schlichten Titel „Eastside Kings“ in den Fokus gerückt wurden. Namen, die außerhalb von Texas kaum jemand kennt. Einzig der 1947 in Harrisburg, Pennsylvania, geborene Eugene P. Pittman brachte es als „Birdlegg“ zu etwas Bekanntheit, drei eigene Alben hat der Harpspieler und Sänger seit 2007 veröffentlicht. Rund 35 Jahre war er in der Bay Area von San Francisco aktiv, bevor es ihn 2010 ins texanische Austin zog. Im Spätherbst seiner Karriere tourte er dann auch in Europa.

Die anderen Musiker stammen fast alle aus der Gegend von Austin oder wurden dort heimisch. Wie zum Beispiel Mac McIntosh, der einst mit Cleanhead Vinson oder Joe Turner auftrat, aber nie den Sprung ins große Rampenlicht schaffte. Soul Man Sam (Evans), ein großartiger Rhythm’n’Blues-Shouter alter Schule, durfte sogar mal einige Songs für Stax Records aufnehmen, die aber nie veröffentlicht wurden. Er ist auf der „Eastside Kings“-CD erstmals auf Platte zu hören. Zu verdanken ist das Eddie Stout und dessen 1999 gegründeter Plattenfirma Dialtone Records. „Ich bin durch und durch ein Record Man“, sagt der 62-Jährige, „wenn ich gute Künstler live sehe und deren Blues höre, möchte ich unbedingt eine Platte mit ihnen aufnehmen.“

Bereits 1994 stieg er ins Label-Geschäft ein und gründete Pee Wee Records, veröffentlichte darauf Bluesscheiben von Paul Orta und U.P. Wilson, aber auch Psychobilly sowie andere Musikrichtungen. „Doch ich fühle mich nun einmal in erster Linie dem Blues verbunden“, erklärt der Texaner, daher habe er sich für einen Neustart mit einer auf traditionellen Blues spezialisierten Plattenfirma entschieden. „Ich sehe es so: Als Label oder Künstler kann man mit dem Blues beginnen, später andere Musik machen und dann wieder zum Blues zurückkehren. Das ist okay. Aber wenn man in einer anderen Musikrichtung erfolgreich war und dann auf einmal Blues spielt, empfinde ich das als wenig glaubwürdig.“

09.04.2018 • Dirk Föhrs (Auszug aus dem ausführlichen Interview in bluesnews 93)


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