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Kim Wilson: Blues als Lebensaufgabe

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Kim Wilson: Blues als Lebensaufgabe

Eigentlich kann Kim Wilson sich dieser Tage zufrieden im Ohrensessel zurücklehnen: Er hat mit „Blues And Boogie, Vol. 1“ eine erstklassige Retro-Scheibe auf den Markt gebracht, die besten Musiker der Szene spielen mit ihm seine Lieblingsmusik und die Fabulous Thunderbirds sind auch noch aktiv. Aber so richtig zufrieden ist Wilson nicht mit der Welt. Wilsons Unzufriedenheit fängt schon bei der US-Politik an. „Wir leben in harten Zeiten“, sagt er und muss dabei doch laut auflachen. „Es ist doch verrückt, oder? Da könntest du den Blues kriegen! Unglaublich! Ich lebe in Kalifornien, weißt du? Wir sind die sechstgrößte Wirtschaftsmacht in der Welt. Wenn es so weitergeht, werden wir noch aus den Vereinigten Staaten austreten. Wir müssen nur das Meerwasser entsalzen und alles ist bestens.“ Wilson sagt solche Sachen und klingt dabei, als würde er sich selbst damit überraschen: „Weißt du, ich bin jemand, der stolz auf sein Land ist, ein Patriot. Es gibt keinen besseren Ort in der Welt für mich, an dem ich leben möchte. Ich war so glücklich, dass wir zweimal Obama gewählt haben. Und dann das! Jetzt warten hier alle nur noch darauf, dass die Lage sich von ‚total verrückt‘ wieder auf ‚normal verrückt‘ normalisiert.“ Wenn Kim Wilson sich in Rage redet, dann gibt es kein Halten mehr.

Und dabei sind wir doch eigentlich verabredet, um über die Musik zu reden. Kim Wilsons aktuelle Platte „Blues And Boogie, Vol. 1“ ist schließlich ausgesprochen gelungen und spannend, ein klanglich wie musikalisch vollkommen authentischer Ausflug in die Retro-Gefilde des Electric Blues. Und, so seine Plattenfirma Severn Records, die neue Scheibe ist nur der Anfang einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen, denn Wilson war fleißig in den letzten Jahren. „Ich sitze hier auf 500 fertigen Aufnahmen“, sagt er und genießt das Erstaunen, das er damit hervorruft. „Und die Sache geht weiter, nicht zuletzt weil es mir so leichtfällt, diese Art von Aufnahmen zu machen.“

06.12.2017 • Ralf Deckert (Auszug aus dem ausführlichen Interview in bluesnews 92)




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