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Schwarzbrenner & City Blues Connection

Die Band Schwarzbrenner verfolgt ein ungewöhnliches Konzept und verbindet die Lyrik des expressionistischen Dichters Georg Heym mit Blues und Rock. Das Trio wurde von den bluesnews-Abonnent/innen ebenso unter die „Top 5“ der CD „bluesnews Collection Vol. 12“ gewählt wie die seit 1979 existierende City Blues Connection. Deren Sound und Besetzung haben sich in den vier Jahrzehnten gewandelt, die neue Ausrichtung dürfte den bislang wohl gewagtesten Umbruch in der Bandgeschichte darstellen.


Schwarzbrenner: Poesie trifft auf Blues und Rock
Auf der einen Seite die europäische Poesie des späten 19. Jahrhunderts, auf der anderen Seite die mitunter ungeschliffene Musik der zumeist ländlichen Bevölkerung der USA des 20. Jahrhunderts. Diesseits des Atlantiks ein junger, lebensbejahender Dichter, der das bürgerliche Umfeld, dem er entstammte, verachtete. Jenseits davon eine schwarze, von Ausgrenzung und Unterdrückung geprägte Unterschicht, die zunehmend nach der Anerkennung des weißen Establishments strebte. Worin manch einer einen kaum zu überwindenden Kontrast sehen dürfte, sieht Sänger und Gitarrist Wolfgang Becker die Möglichkeit, den Blues mit deutscher Sprache und der Lebenswirklichkeit der modernen Welt zu füllen.

„Natürlich kam sofort die Frage auf, ob 100 Jahre alte Texte inhaltlich noch genug Nähe und Bezug zu unserer heutigen Welt haben und die Antwort aus meiner Sicht war und ist ein überzeugtes Ja, da viele der Heymschen Themen aus meiner Sicht auch noch heute immer noch aktuell sind“, so der Schwarzbrenner-Frontmann. „Die Zeit um 1910, als Heyms produktive Phase ihren Höhepunkt erreichte, war in Deutschland eine Zeit des großen Umbruchs. Industrialisierung, Aufkommen der Großstadtgesellschaft, Mobilität, Massenmedien einschließlich der damit verbundenen Gefühle, Ängste und Hoffnungen sind ja durchaus auch in unserer Zeit nachvollziehbar.“


City Blues Connection: Rhythm & Blues Big Band zwischen Tradition und Moderne
Kenner treibt es noch heute die eine oder andere Träne des Wehmuts in die Augen, wenn sie sich an die Hamburger Musikszene der wilden 70er-Jahre zurückerinnern: Der Blues stand in Deutschland kurz vor seinem Zenit und in Clubs wie dem legendären „Onkel Pö“ legten Musiker wie Abi Wallenstein und Steve Baker den Grundstein für ihre bis heute andauernde Karriere. Auch Norbert Egger, Bandleader der City Blues Connection, sammelte in jener Zeit in Hamburg seine ersten Bühnenerfahrungen – eine Entwicklung, die einige Jahre zuvor noch undenkbar schien.

In der baden-württembergischen Provinz geboren, hatte er zwar eine klassisch-traditionelle Musikerziehung erfahren, aber alles andere als genossen. Dass er als Klarinettist im dörflichen Musikzirkel das Erbe seines früh verstorbenen Vaters antreten sollte, förderte nicht unbedingt sein musikalisches Interesse und auch damals populären Bands wie den Rolling Stones oder Deep Purple konnte er nichts abgewinnen. Die Wende leitete eine glückliche Fügung ein. Im Alter von zwölf Jahren fiel ihm der Roman „Weiße Haut und schwarzer Blues“ von Nat Hentoff in die Hände, zu dem das Radio mit Aufnahmen vom Montreux Jazz Festival zufällig den passenden Soundtrack lieferte: Muddy Waters und B.B. King. „Mann, ich kann dir sagen, das hat mich so weggehauen, da wird mir auch heute noch schwindlig davon: Das war es! Das war genau das, was mich ins Herz traf!“, erinnert sich Egger.

16.04.2018 • Dirk Funke (Auszüge aus den Interviews in bluesnews 93)


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