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Wuchtige Bluesrock-Beats

Matty T Wall
Live Down Underground
(Hipsterdumster Records, 55:17)
Digisleeve/Digifile (6 Seiten)

Es ist die altbewährte Dreier-Besetzung: Matty T Wall (Gitarre und Gesang), Ric Whittle am Schlagzeug und Leigh Miller am Bass. Der aus Westaustralien stammende Bluesgitarrist und Bandleader treibt sein Power-Trio auf dem Livealbum „Live Down Underground“ wie mit Peitschenschlägen beständig voran. Vergleiche mit Cream und Grand Funk Railroad hinken zwar etwas, gleichwohl nimmt Wall mit seinen schreienden Lead-Breaks das Publikum genauso gefangen wie einst Eric Clapton, Mark Farner und Gary Moore. Hinzu kommen die donnernde, stets präzis eingesetzte Drum-Maschine und ein pochender Bass mit bodenständigen Harmonie-Breaks. Wer wissen will, wie sich ein Ritt auf der musikalischen Rasierklinge anhört, dem sei „Scorcher“ ans Herz gelegt. Angetrieben von Whittle, der den Song mitgeschrieben hat, wuchtet Wall dem Rhythmuswahnsinn des Schlagzeugs ein fast schon hypnotisches Sologebirge entgegen, aus dem es kein Entkommen gibt. Sein Stil überspringt die einzelnen Richtungen, der Gitarrist filtert aus einer Vielzahl Inspirationen eine eigene Bluesmelodie, indem sich ebenso kraftvoll Soul, Jazz und Rock zusammenfinden. „This Is Real“ ist ein Beleg dafür, wie sich düstere und stampfende Bluesrock-Beats mit Wucht und Erschütterung in die Musiklandschaft einfügen lassen. Schon der Opener „Broken Heart Tattoo“ mit seinen einprägsamen Riffs und Sprechgesang erzählt eine immer wiederkehrende Geschichte des Blues: Es ist schlimm, und in dieser Bar wird es heute Nacht noch schlimmer werden. Der Song ist dynamisch und fesselnd, gibt an den richtigen Stellen Zunder. Mit der Blueskomposition „Voodoo Chile“ von Jimi Hendrix setzt Wall dem innovativsten Gitarristen seiner Zeit ein musikalisches Denkmal. Ohne den Song bis ins kleinste Detail nachzuspielen, entwickelt der Australier eine experimentelle Spielweise, die von seiner Liebe zum Blues und Rock mit ganzer Intensität und Elan durchdrungen ist. Matty T Wall mag den wilden Mann des Blues geben, tatsächlich bearbeitet er seine sechs Saiten voller Wildheit und Biss. Im letzten Stück „Smile“ zeigt er sich dann doch ruhig und etwas selbstverliebt. Ein gelungener Schluss, der das Bild abrundet.

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