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Warnung vor der Spaltung

Nathan Bell
Red, White And American Blues
(Need To Know Music, 46:43)
Digisleeve/Digifile | Booklet (16 Seiten) mit Songtexten

Nathan Bell stürmt auf dieser CD von einem guten Song zum nächsten. „Red, White And American Blues“ ist poetischer Blues, der aus der amerikanischen Literatur schöpft, um Bilder der Gegenwart zu produzieren. Der Gitarrist und Sänger singt über ein zutiefst zerrissenes Land, lange Zeit vergiftet durch Donald Trump. Es ist ein durch und durch amerikanisches Album, das Waffengewalt anklagt, Korruption, Rassentrennung, religiösen Wahn; die Spur führt zurück in die Vergangenheit bis hin zum Vietnam-Krieg. Bell ist jedoch nicht unbedingt ein ständig mahnender Protestsänger, vielmehr warnt er die Gesellschaft davor, noch tiefer abzusteigen, sich noch mehr zu spalten. Er verabscheut Klassenunterschiede und setzt sich in seinen Songs für Gleichheit und Parität ein. Niemand wird bei ihm verspottet, und in seinen kritischen Texten ist er mehr bei Tom Waits und Randy Newman als bei Bob Dylan. „We are talking our lives one day at a time. With bullets and useless poetry. Soon will we be burning together in red, white and American Blues. Burn Baby burn“, heißt es am Ende seines „American Blues“, der wie ein Fanal über diesem Album steht. Gleichwohl kippt Bell nicht in die tiefsten Tiefen der Depression. „A Lucky Man“ ist voll von Träumen, von guten Freunden, seinen Hunden – und wenn Patty Griffin in den Gesang einsteigt, geht der Himmel auf. So bleibt wenigsten ein kleines Stück Hoffnung. „Retread Cadillac" ist eine Songwriter-Geschichte von Lightnin’ Hopkins, einem der einflussreichsten und rätselhaftesten Bluesmusiker. Mit Regina McCrary vom Quartett McCrary Sisters aus Nashville zeigt Nathan Bell, wie weit die Linien des Blues zum Gospel reichen. „When You’re Dead“ tanzt auf einer melancholischen Mundharmonika-Melodie durch die Welt, in „Mossberg Blues“ wird er von Sängerin Regina McCrary flankiert. Am deutlichsten ist „Running On The Razor“, in der der Musiker von der Country-Sängerin und Songwriterin Aubrie Sellers begleitet wird. Der Song erzählt von militant Verrückten, die sich für den Angriff wappnen. „Poor Motherfuckers“, so Nathan Bell.

Song aus dem Album anhören

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bluesnews 108

bluesnews 108

Dezember 2021 bis März 2022
100 Seiten • 7,50 €

• Gov't Mule
• Sue Foley
• Joe Bonamassa
• Joanne Shaw Taylor
• Ben Granfelt
• Lindsay Beaver & Brad Stivers
• Nathan Bell
• Delmark Records
• Mississippi MacDonald
• Humble Pie
• Circle of Mud
• über 100 Rezensionen u. v. m.